Eiser Chronik

1919


Ludwig Schreitt, ein oberbayrischer Käser plattelte in der Wertacher Käskuche um den Käskessel. Sieben interessierten Wertachern zeigte Schreitt das Platteln. Das erste Übungslokal war Kuisels Tenne in Enthalb der Ach. Am 18. Oktober 1919 wurde das erste Schauplatteln im Adlersaal veranstaltet.

Zitat aus Chronik: Wir haben also die Pflicht, durch recht fleißiges Tragen unserer schmucken Heimattracht den übrigen Wertachern und auch eventuell Fremden zu zeigen, wie man dauernd modern gekleidet geht. Hygienisch unbedingt: denn Luft kann bei der kurzen Hose hinein und heraus, ganz nach belieben.

1920 / 1921


Am Anfang des Jahres bekam der Verein großen Zuwachs von 19 neuen „Lehrlingen“. Gemeinschaftliches Platteln und Veranstaltungen wurden durchgeführt. Doch am Ende des Jahres gab es einige Reibereien, die derart ausarteten, dass ein gemeinschaftliches Miteinander nicht mehr möglich war. Ein Teil zog auf die Bichel und gründete im Dezember 1920 den Gebirgstrachtenerhaltungsverein „Almröserl“. Der größere Teil verblieb aber im Dorf und gründete am 10. Januar 1921 den Gebirgstrachtenerhaltungsverein „D´Wertachtaler“.

1922


Im Jahr 1922 wurde die erste Vereinsfahne angeschafft. Unter Mitgliedern und Gönnern wurde 16.000 Mark gesammelt. Doch damals begann die Inflation und die Kosten der Fahne beliefen sich in kürzester Zeit auf 25.000 Mark. Fünf Mitglieder des Vereins fuhren mit dem Rad nach Nesselwang um den dortigen Trachtenverein zu bewegen die Patenschaft bei der Fahnenweihe zu übernehmen.

Zitat aus der Chronik: Die Verhandlung zog sich infolge der Hartnäckigkeit der Nesselwanger ziemlich in die Länge, so dass die Abordnung erst gegen halb 4 die Heimreise antreten konnte, was zur Folge hatte, dass durch die vielen genossenen geistigen Getränke, einer von den fünf die Richtung verlor und beim Reichenbach kopfüber in den Bach stürzte und 4 seiner schönsten Zähne verlor.

Die Fahnenweihe konnte am 08. Oktober 1922 mit einem großen Fest und vielen anwesenden Vereinen gefeiert werden. (Der Preis der Vereinsfahne stieg bis zum Erhalt auf 68.385 Mark an)

1923


Das dritte Vereinsjahr stand im Zeichen der Papierflut, der Inflation. Der wies eine stolze Summe von 980.205.840 Papiermar

1924 - 1930


In den folgenden Jahren wurden jährlich ein Vereineball, Theateraufführungen, Waldfeste und jeden Samstag von Mitte Juli bis Ende August Plattlerabende für Einheimische und Gäste durchgeführt.

Durch die Währungsumstellung 1924 der Reichsmark erwachte der Verein aus dem Papiermarktraum und wies 1926 einen Kassenbestand von 4,03 Mark auf.

1931


Die Erstaufführung des Gaißbubentanzes fand am 08. August im Lokal Alpenball in Wertach statt.


Zitat aus der Chronik: (Zusammenkunft von Aktiven Plattler im Lokal)
Ausspruch des damaligen Kassiers wörtlich: „Schmalzler ham mer gschickt, Freßtabak gschnupft und den Mädle ins Hemed schnäuzt“.

1934


Der Patenverein „D´Alpspitzler“ Nesselwang gaben den Wertachern die Gelegenheit den Kronentanz zu erlernen. Im Gegenzug zeigten die Wertacher den Nesselwangern den Gaißbubentanz.


1936 Fahnenweihe Petersthal1936 Fahnenweihe Petersthal

1928 Plattlergruppe1928 Plattlergruppe

1928 Plattlergruppe1928 Waldfest Schießstadt

1936


Um an der Trachtenschau des Gauverbandes teilnehmen zu können, mussten die Frauen Hüte anschaffen.

1939 – 1945


Der Verein ruhte aufgrund des 2. Weltkrieges.

1946

 

Zitat aus der Chronik 1946 (Teilnahme am Badefest):  Aber der Wettergott mochte die nackten Weiber nicht sehen und machte um 4 Uhr den Garaus mit dem Fest und goß mit graziösem Eifer in die so fröhliche Menschenmenge mit dem leicht bekommlichen Naß und mit dem halbfertigen Bändeltanz musste Schluss gemacht werden.

 


Zitat aus der Chronik 1946 (Heimatabend in Kranzegg): s´Bier war mieß, nun gab es auch keinen Kater, die Gaißmill vu Kranzögg ist vielleicht nässer, aber Schuhplatteln könnet die Wertar viel besser.

1947


Am letzten Heimatabend des Jahres wurde zum ersten Mal der Holzhackertanz von vier Plattlern dargeboten.


1948


Durch die Kriegsunterbrechung musste im Jahr 1948 der Gaißbubentanz neu erlernt werden. Am Wertacher Markt am 24. April wurde die Erstaufführung seit 1939 gemacht.


Die Geldwährungsreform am 20. Juni verursachte wieder einen schweren Schlag in die Vereinskasse. Die Mark wurde 1:10 abgewertet (10 Reichsmark = 1 Deutsche Mark).


1949


Am Trachtenball am 19. Februar wurde erstmals der „Dreisteirer“ aufgeführt.


1951


In diesem Jahr konnte das 30-jährige Gründungsjubiläum gefeiert werden.

1953


Mitglieder des Vereins haben am 02. August am Wertacher Hörnle ein neues Bergkreuz aufgestellt, da das vorherige vom Sturm gerissen wurde. Am 15. August wurde das Kreuz festlich eingeweiht und mit musikalischer Umrahmung gebührend gefeiert.

1954


Im Jahr 1954 wurde beschlossen, eine Jugendplattlergruppe zu gründen. Der damalige 1. Vorplattler, Alfons Dieng, übernahm mit großem Engagement die Ausbildung der Kinder. Bereits im Juli 1954 konnte die neu gegründete Jugendgruppe mit 6 Paaren und einem Spieler am Heimatabend auftreten.

1960


Zitat aus der Chronik 1960 (Ausflug nach Italien): An den Abenden gingen die Burschen alleine aus, sie dachten ihre Chancen bei den Italienerinnen wären größer. Doch wir Mädchen machten uns nichts daraus und gingen mit den Italienern aus.

1962


Zum ersten Mal nahmen die Wertacher beim Wertungsplatteln in Nesselwang am 28. Oktober teil. Beim Gruppenplatteln erreichten sie mit 230 Punkten den 2. Preis hinter den "Alpspitzlern". 


1954 Jugendtrachtengruppe1954 Jugendtrachtengruppe

1963 Gaißar1963 Gaißar

1969


Die Heimatabende wurden bisher durch den Verkehrsverein Wertach organisiert. An der Jahreshauptversammlung wurde beschlossen, die Heimatabende selber und gemeinsam mit der Jodlergruppe Wertach zu veranstalten.

1971

Das 50-jährige Gründungsfest wurde im Rahmen eines Heimatabendes im Gasthof Engel gefeiert.

1977

Der Proberaum in der unteren Sennerei, der bereits teilweise 1976 genutzt wurde, haben der Trachtenverein, die Musikkapelle und die Schützen umgebaut und bezogen. Der Umbau verschlang 1733 Arbeitsstunden.

1978 Vorstellung historische Tracht1978 Vorstellung Historische Tracht


1989 Festgottesdienst Allgäuer Gautrachtenfest1989 Festgottesdienst Allgäuer Gautrachtenfest in Wertach


1989 Tribüne Allgäuer Gautrachtenfest1989 Tribüne Allgäuer Gautrachtenfest in Wertach

1978


Eine 200 Jahre alte Tracht aus dem Heimatmuseum wurde wieder zum Erleben erweckt und nachgeschneidert. Seither ist die Historische Tracht fester Bestandteil des Trachtenvereins.

1985


Die Jugendgruppe wurde 30 Jahre lang von den Vorplattlern geführt. Aufgrund der wachsenden Anzahl der Kinder und Jugendlichen wurde eine neue Gruppe mit eigenem Amt des Jugendwartes geschaffen.

Der Trachtenverein übernahm 1985 erstmals die Aufgabe einen Funken zu bauen.

1989


Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Ausrichtung des 59. Allgäuer Gautrachtenfestes vom 14. bis 16. Juli 1989 in Wertach, dieses wurde mit einem abwechslungsreichen dreitägigen Festprogramm im Festzelt gefeiert. Am Festsonntag wurde bereits um 05:00 Uhr durch den Weckruf der Festkapelle Wertach begonnen und mit einem Gottesdienst im Festzelt, sowie einem großen Festzug durch Wertach fortgeführt.

1990


Zur bestehenden Frauentracht der Historischen Tracht kam 1990 eine Männertracht hinzu.

1991


Das 70-jährige Vereinsjubiläum verbunden mit der Fahnenweihe der neuen Vereinsfahne wurde am 8./9. Juni 1991 gefeiert. Am 8. Juni fand ein Festabend im Gasthof Engel statt, am 9. Juni die Fahnenweihe in der Pfarrkirche Wertach und anschließend gemütliches Beisammensein im Feuerwehrhaus. Auch wie bei der ersten Fahnenweihe 1922 übernahmen die Alpspitzler Nesselwang die Patenschaft.

1991 Fahnenweihe1991 Fahnenweihe

1991 Fahnenweihe alte und neue Fahne1991 Fahnenweihe alte und neue Fahne

1996


Das 75-jährige Vereinsjubiläum mit 22. Schuhplattlertreffen wurde von 21. bis 23. Juni 1996 in Wertach im Festzelt ausgiebig gefeiert. Am Kritikplatteln im Zelt nahmen 16 Gruppen teil.

1997


Zitat aus der Chronik 1997 (Jahreshauptversammlung): Trachtensprecher Walfried Lochbihler berichtet über einen Rückgang der weiblichen historischen Trachten, da die Tracht einigen zu klein wird.

Das beliebte Waldfest wurde 1997 erstmals ins Dorf als "Dorffest" verlegt, da bei unsicherer Witterung kurzfristig auf- und abgebaut werden kann und der Boden fest und trocken ist.

1998


Zitat aus der Chronik 1998 (Trachtenwallfahrt wegen zu geringer Beteiligung): Wie die vorherigen Vorstände schon, mahnte auch Graf Armin um mehr Beteiligung an der Trachtenwallfahrt, da bestimmt jeder von uns Anlass hätte, die Mutter Gottes um Hilfe zu bitten.

1999 - 2002


Der bestehende Stadl bei Firma Guckler wurde 1999 abgebrochen und am Ortsausgang von Wertach als Plattler-Inventar-Stadl neu errichtet. Der Bau verschlang rund 850 ehrenamtliche Stunden.

Fortsetzung folgt...